Der Entwicklerkosmos / Vom Urknall bis zum Blick in die Zukunft

Der Beginn der modernen Softwareentwicklung

1. Die Idee eines Universalrechners

Das könnte der Urknall gewesen sein:

An einem Montagmorgen des Jahres 1933 sitzt Konrad Zuse, Student des Bauingenieurswesens, an seinem Schreibtisch vor einem Stapel architektonischer Berechnungen, die er für seine Seminararbeit durchzuführen hat. Bereits in seinem abgebrochenen Architekturstudium waren ihm die mathematischen Vorschriften für diese Aufgabe vertraut, so dass die vor ihm liegende Seminararbeit für ihn einfach nur viel lästige Fleißarbeit bedeutet. Sein Rechenschieber wartet auf seinen Einsatz.
Seine Gedanken beschäftigen sich aber noch mit dem Wochenende. Als ehemaliger Student des Maschinenbaus und Hobby-Tüftler arbeitet er in seiner Freizeit am Bau eines Warenautomaten, in den ein Mensch Geld einwirft, um eine Ware sowie passendes Wechselgeld zurückzubekommen. Von dieser Maschine abschweifend, taucht in seinem Kopf die Frage auf, warum es eigentlich noch keinen Rechenautomaten gibt, der ihm die immer gleichen, lästigen Berechnungen für seine Seminararbeit abnimmt.
Hauptproblem ist, dass es so viele verschiedene Rechenvorschriften im Bauingenieurswesen gibt. Diese Maschine müsste also so konzipiert sein, dass man ihr die mathematischen Vorschriften flexibel vorgeben, die nötigen Eingangsdaten bequem eingeben und das Ergebnis einfach auszulesen braucht. Eigentlich, denkt er, müsste es doch möglich sein, eine solche Maschine zu bauen und die ganze Fleißarbeit ihr zu überlassen.
Eigentlich müsste er selbst in der Lage sein, so einen Universalrechner zu bauen und die Rechenvorschriften, die er benötigt, für diesen Rechner zu formulieren. Vor seinem inneren Auge entstehen stehen zwei Visionen: die Hardware und die Software.
1935, mittlerweile Mitarbeiter der Henschel-Flugzeugwerke, kündigt er seinen Job, um zu Hause im Wohnzimmer diese Visionen zu realisieren. 1938 ist die Z1, die erste frei programmierbare Rechenmaschine der Welt, fertig und führt (nur aufgrund unzuverlässiger Bauelemente noch unzuverlässig) ihre Rechenprogramme korrekt aus. Nach demselben Bauplan führt 1941 die Z3 (mit zuverlässigen Bauelemente) die Rechenprogramme korrekt und zuverlässig durch.

Der Gedankengang 1933 am Schreibtisch ist fiktiv, die genannten Tatsachen sind aber wahr.


[ 1 ] [ 2 ]

Zurück


Wir freuen uns über Kommentare zu dieser Seite:

Verfassen Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*